Niedergelassene Fachärzte haben einer neuen Studie der Brendan-Schmittmann-Stiftung zufolge wenig Interesse an Selektivverträgen. Grundlage der Studie war die Befragung von 3.000 Fachärzten verschiedener Fachrichtungen in zehn Bundesländern. Die Studie, die den Vertragswettbewerb aus Sicht der niedergelassenen Ärzte beleuchtete, kam zu dem Ergebnis, dass viele Ärzte einen zu geringen Kenntnisstand zu den Themenbereichen „Vertragswettbewerb" sowie „Verhandlungen und Verträge mit den Krankenkassen" aufweisen. Trotzdem haben fast 56% der Befragten zumindest über eine Teilnahme an einem Vertrag unter Ausschluss der KV nachgedacht. Nur knapp 20% haben jedoch eine Teilnahme tatsächlich zugesagt. Mit rund 85% sieht sich die überwiegende Mehrheit der befragten Ärzte nicht in der Lage, selbst mit den Krankenkassen über Verträge zu verhandeln. Hierbei kennen die Ärzte oft weder Ansprechpartner noch die betreffenden Fachabteilungen. Obwohl die Studie auch den Kassenärztlichen Vereinigungen ein schlechtes Zeugnis ausstellt (zwei Drittel der befragten Ärzte fühlten sich von ihrer Kassenärztlichen Vereinigung nicht gut vertreten), kommt sie zu dem Ergebnis, dass die Vertragsärzte mehrheitlich (ca. 70%) den drohenden Verlust der Monopolstellung der KV bei Vertragsverhandlungen mit den Kassen negativ werten. Offenbar sind jedoch auch die Bemühungen der Krankenkassen gering, den niedergelassenen Fachärzten besondere Vertragsformen anzubieten: Als Quelle für gesundheitspolitische und vertragsrelevante Informationen rangierten die Krankenkassen mit 2,1 % auf dem letzen Platz hinter den ärztlichen Berufsverbänden (27,45%), den KVen (22,69%), dem Internet und der Fachpresse (18,07%), den ärztlichen Standesorganisationen (15,17%), der Pharmaindustrie (8,96%) sowie der Genossenschaften und MEDI (5,49%).
WWS, Rolf Milla, 3. Quartal 2009