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Hausarztverträge sehr umstritten

Trotz der gesetzlichen Verpflichtung ist die hausarztzentrierte Versorgung in Deutschland bislang nicht flächendeckend eingeführt.

Für die Gesundheitspolitik liegt das Hauptmotiv der Umsetzung des Modells in Kosteneinsparungen und Qualitätsverbesserungen. Die Hausärzte sind erste An­laufstelle für den Patienten und sollen ihn als „Lotsen" bzw. „Gatekeeper" optimal durch die Be­handlungskette führen.

Nun hat ein für den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen erstelltes Gutachten „Effekte des Gatekeeping durch Hausärzte" gezeigt, dass es für die erhofften Vorteile von Hausarztmodellen keine Studien gibt, welche die Vorteile klar belegen. Das Gutachten stützt sich auf die Auswertung von 24 Studien, von denen 70% aus den USA stammen, wo bereits langjährige Erfahrungen mit Gatekeeper-Modellen bestehen. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass weder die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und die Erhöhung der Zufriedenheit der Patienten noch die Reduktion der Krankenhauseinweisun­gen bei chronisch Kranken belegbar sind. Die Studien kommen diesbezüglich zu sehr unterschied­lichen Resultaten.

Hinsichtlich der Gesundheitsausgaben pro Kopf für die ambulante fachärztliche Versorgung bestehen den Studienergebnissen zufolge offenbar tatsächlich Einsparpotenziale. Ei­nige Krankenkassen haben bereits seit Längerem den Nutzen der hausarztzentrierten Versorgung angezweifelt. Nach negativen Erfahrungen mit den Modellen haben sie bereits nach der Pilotphase viele der Verträge wieder auslauten lassen. Im Jahr 2008 kam auch die Berteismann-Stiftung nach einer Umfrage mit 9.000 Teilnehmern im Zeitraum zwischen 2004 und 2007 zu dem Ergebnis, dass das Hausarztmodell die gewünschten Ziele nicht erreicht hat. Die Patienten fühlten sich nicht bes­ser behandelt und die Zahl der Facharztkonsultationen nahm sogar zu.

Einheitliches Ergebnis der Studien ist laut Gutachten offenbar die Kostenersparnis im Bereich der ambulanten fachärztlichen Versorgung. Hier ist jedoch genau zu überprüfen, ob sich nicht eine Kostenverschiebung vom fach­ärztlichen in den hausärztlichen Bereich ergibt, die den betreffenden Einspareffekt vielleicht sogar überkompensiert. Oft gehen Hausarztmodelle mit einer verbesserten Honorierung der Hausärzte einher. Es ist also fraglich, ob die hausarztzentrierte Versorgung tatsächlich zu einer Effizienz- und Qualitätsverbesserung in Deutschland führen wird.

WWS, Rolf Milla, 2009


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